Reziproke Steh- und Gehorthesen Bei Krankheitsbildern wie Querschnittlähmung, Meningomyolocele (Spina bifida) oder Cerebralparesen mit den entsprechenden motorisch/neurologischen Ausfällen der unteren Extremitäten, war bis vor wenigen Jahren ausschließlich eine Rollstuhlversorgung möglich.
Mit der Entwicklung der "REZIPROKEN GEHORTHESE" wird heute dem angeborenen Bedürfnis dieses Patientenkreises, sich aufzurichten oder gehen zu wollen, bestmöglich Rechnung getragen. Diesem menschlichen Grundbedürfnis liegt außerdem ein massiver anatomisch/pathologischer Kausalzusammenhang zugrunde: Das Skelettsystem des Menschen bedarf ständig wechselnder achsialer Belastungen, um einer Demineralisierung der Knochen (Inaktivitätsosteoporose) vorzubeugen. Blasen- und Darmfunktion sowie die periphere Durchblutung der unteren Extremitäten werden durch die aufrechte Haltung bzw. die Bewegung in und mit der "REZIPROKEN GEHORTHESE" günstig beeinflusst.
Nicht zu unterschätzen ist der höhere Grad der Selbständigkeit und das höhere Selbstbewusstsein, welches der Betroffene durch eigenständiges Stehen und Gehen gewinnt. Für die Versorgung von Kindern und Erwachsenen stehen aufgrund der Vielzahl der pathologischen Indikationen "REZIPROKE GEHORTHESEN" mit unterschiedlichen patientenspezifischen Eingangsvoraussetzungen und unterschiedlichentechnisch / biomechanischen Wirkungsprinzipien zu Verfügung. Die Vorstufe zu den "REZIPROKEN GEHORTHESEN" bildet der vornehmlich im Kindesalter einzusetzende Swivel Walker. Der Swivel Walker ermöglicht es dem Patienten, sich in aufrechter Körperhaltung fortzubewegen. Der Patient wird in einem individuell angepassten Rahmen gehalten, der mit speziellen Fußplatten verbunden ist.
Diese Konstruktion erlaubt es dem Patienten, sich mittels Kopf, Arm, Schulter und Rumpfbewequngen fortzubewegen. Diese Orthese wurde für Patienten entwickelt, die nicht oder nur ineffektiv in der Lage sind, sich mit der Kraft ihrer unteren Extremität aufrecht fortzubewegen. Dieses Konzept ist besonders für Kinder geeignet, deren Behinderung den Einsatz von Unterarmstützen oder anderen Gehhilfen nicht erlaubt, z.B. zusätzliche cerebrale Bewequngsstörungen der oberen Extremität (Hemiplegie, Tetraplegie), mentale Behinderung. Da der Patient in der Lage ist, beim Stehen und Gehen seine Arme frei zu haben, ist dies für die Entwicklung seiner senso-motorischen Fähigkeiten von großer Bedeutung.
Das Körpergewicht wird vom Skelettsystem in der Orthese getragen und wird durch die Fortbewegung ständig wechselnden Belastungen unterzogen. Dies wirkt der Demineralisierung der Knochen und dem Auftreten von Spontanfrakturen entgegen, die bei angeborenen Lähmungen häufiger auftreten. Die Harnableitung, die Blasen- und Mastdarmfunktion und die periphere Durchblutung der unteren Extremität wird durch die aufrechte Körperhaltung günstig beeinflußt. Unterarmgehstützen sind bei dieser Orthese nicht erforderlich.
Der Patient kann sich mit niedrigem Kraft- und Energieaufwand fortbewegen. Für Jugendliche und Erwachsene, die ein höheres Mobilitätsbedürfnis haben, stehen dann ab ca. dem 6. Lebensjahr unterschiedliche "REZIPROKE GEHORTHESEN" zur Verfügung. Das durch viele Fachlehrgänge geschulte Orthesen-Team der Orthopädie- Technik im Sanitätshaus Zieger blickt auf eine langjährige Erfahrung im Bau von Reziprokatoren, Swivel Walkern, Argo Steepern und Parawalkern zurück.
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